Mit dem Dental Innovation Award 2025 würdigt die Stiftung Innovative Zahnmedizin erneut herausragende Konzepte und Fallpräsentationen in der modernen Zahnerhaltung. Dieses Mal prämierte die Jury die Arbeiten von Dr. Thierry Werren, Dr. Jana Rippberger, Milena Flurina Defila sowie Privatdozent Marcel Reymus und Dr. Nils Werner. SIZ-Vorstand Prof. Hendrik Meyer-Lückel sowie SIZ-Beirat und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) Prof. Sebastian Paris überreichten die Auszeichnungen im Rahmen der DGZ-Jahrestagung am 30. Oktober 2025 in Berlin. Die Preisträger setzten wichtige Impulse für eine innovative und nachhaltige Zahnmedizin, begründete die Jury ihre Entscheidungen. (Foto: v. l. Prof. Hendrik Meyer-Lückel, Dr. Jana Ripperger, PD Marcel Reymus, Dr. Nils Werner, Milena Flurina Defila und Prof. Sebastian Paris)
Angstpatient kann nach ganzheitlicher Behandlung wieder lachen
In der Kategorie 1 „Fallpräsentation minimalinvasive Zahnerhaltung“ ging der erste Preis an Dr. Thierry Werren von der Universität Bern für die „Minimalinvasive Gesamtsanierung bei einem Angstpatienten mit komplexer dentaler Situation und auffälligem psycho-sozialen Status“. Der Patient litt unter ausgeprägter Zahnarztangst, massiver erosiver Zahnhartsubstanzschädigung sowie erheblichen psychosozialen Belastungen. Er war sehr lange nicht beim Zahnarzt und hatte seit 10 Jahren nur noch mit vorgehaltener Hand gelacht. Mit intensivem Vertrauensaufbau, Lösen der Angstblockaden und einer umfangreichen sowie schrittweisen minimalinvasiven Behandlung konnten das ästhetische Erscheinungsbild und die Funktionalität deutlich verbessert werden. Einen Monat nach der Therapie traute der Patient sich allmählich wieder, offen zu lachen und in den Spiegel zu schauen.
Smartes Kariesmanagement für herzkranke Patientin
Ebenfalls mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde Dr. Jana Ripperger von der Universität Tübingen für ihre Arbeit zum „Risikoorientierten Kariesmanagement einer jungen Patientin mit kardialer Grunderkrankung und hohem Kariesrisiko“. Die 18-jährige Patientin wies nach kieferorthopädischer Behandlung zahlreiche aktive kariöse Läsionen, erhebliche Biofilmanlagerungen sowie ein insgesamt sehr hohes Kariesrisiko auf. Besonders anspruchsvoll war die Behandlung aufgrund der bestehenden Herzerkrankung mit notwendiger Endokarditisprophylaxe. Die Arbeit überzeugte durch eine umfassende Bewertung des Kariesrisikos, moderne Diagnostikverfahren wie faseroptische Transillumination sowie ein individuell abgestimmtes Präventions- und Therapiekonzept zur langfristigen Stabilisierung der Mundgesundheit.
Schöne Frontzähne mit begrenztem Budget
Der zweite Preis in Kategorie 1 ging an Milena Flurina Defila von der Universität Bern für die Fallpräsentation „Minimalinvasive ästhetische Frontzahnsanierung im Studentenkurs“. Im Mittelpunkt stand ein Patient mit deutlichen Schmelzdefekten und ästhetisch störenden Zahnlücken im Frontzahnbereich, der aufgrund begrenzter finanzieller Möglichkeiten eine kostengünstige Therapie benötigte. Durch minimalinvasive Kompositversorgung und ein substanzschonendes Vorgehen konnte das ästhetische Erscheinungsbild deutlich verbessert werden.
KI-App unterstützt evidenzbasierten Antibiotika-Einsatz
In der Kategorie 2 „Innovative Idee / Erfindung“ erhielten Privatdozent Dr. Marcel Reymus und Dr. Nils Werner von der Ludwig-Maximilians-Universität München den ersten Preis für die Entwicklung der KI-basierten App „StewardDent“. Die Anwendung unterstützt Zahnärztinnen und Zahnärzte dabei, Antibiotika leitliniengerecht und evidenzbasiert einzusetzen. Grundlage ist ein sogenanntes Retrieval-Augmented-Generation(RAG)-System, das ausschließlich auf eine kuratierte Fachbibliothek internationaler Leitlinien und Studien zugreift und dadurch verlässliche Empfehlungen liefert. In einer Pilotstudie konnte mithilfe der App die Übereinstimmung mit wissenschaftlichen Leitlinien bei Antibiotikaentscheidungen von 65 auf 100 Prozent gesteigert werden – ein wichtiger Beitrag, um unnötige Antibiotikaverordnungen und damit die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern.







