Rund 15 Prozent der 12-Jährigen in Deutschland sind von einer Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) betroffen. Das zeigt die neue Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6). Auffällig ist, dass mehr Jungen und Kinder aus höheren Bildungsschichten darunter leiden.
Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation spielt in der zahnärztlichen Praxis eine relevante Rolle (1). Charakteristisch sind abgegrenzte Opazitäten an den ersten bleibenden Molaren mit oder ohne Beteiligung der Inzisiven. Die hypomineralisierten Zähne erscheinen porös, ihr Schmelz kann teilweise einbrechen und es können starke Hypersensibilitäten auftreten. Die Ätiologie der MIH ist noch weitgehend ungeklärt (2).
Seit 1989 erforscht das Institut der Deutschen Zahnärzte die Zahn- und Mundgesundheit in Deutschland. Kürzlich erschienen die Ergebnisse der sechsten Auflage (DMS 6). Neben Karies wurde bei den untersuchten 12-Jährigen auch MIH erfasst. Die Kernergebnisse (3): Bei 15,3 % der untersuchten Jugendlichen fand sich eine MIH. Jungen waren etwas häufiger betroffen als Mädchen (16,6 % vs. 13,7 %). Überwiegend zeigten die hypomineralisierten Zähne milde Veränderungen, vor allem Opazitäten (63,3 %). Allerdings wurden Hypersensibilitäten nicht analysiert. Knapp ein Zehntel zeigte Schmelzeinbrüche (10,1 %) und bei gut einem Viertel der Betroffenen wurden bereits Restaurationen angefertigt (27,6 %), um die Defekte zu therapieren. Im Schnitt waren bei Kindern mit einer MIH 4,9 Zähne betroffen. Interessanterweise waren Kinder aus höheren sozialen Bildungsschichten häufiger betroffen als Kinder aus niedrigeren Schichten (17,0 % vs. 13,2 %).
International im Mittelfeld
Im Vergleich zur 5. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) ist dies ein Rückgang. 2014 lag die MIH-Prävalenz bundesweit bei 28,7 % (4). Allerdings passen die aktuellen Daten besser als die Ergebnisse der DMS V zu den Prävalenzwerten, die zu verschiedenen Zeitpunkten regional erhoben wurden: 10,1 % (Range 4,3–14,6 %) (5) und 14,7 % (6). Mit gut 15 % liegen die aktuellen Zahlen der 12-Jährigen im oberen Bereich der Regionaldaten, international ordnen sie sich ebenfalls im Mittelfeld ein (7).
Ebenso wurde die Karieserfahrung bei Kindern mit hypomineralisierten Zähnen untersucht: Bei 11,1 % der betroffenen Kinder fand sich auch aktive Karies. Aus der Literatur ist bekannt, dass vor allem Kinder mit schwerer MIH ein höheres Kariesrisiko haben. Trotz der klinischen Auffälligkeiten berichteten MIH-betroffene Kinder wiederum nicht häufiger als ihre gesunden Altersgenossen über eine signifikant eingeschränkte mundgesundheitsbezogene Lebensqualität. Allerdings wurde der MIH-Schweregrad nicht genauer analysiert. Dennoch unterstreicht das Resultat die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung von MIH – nicht nur aus klinischer, sondern auch aus psychosozialer Perspektive.
Die Ergebnisse aus der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie verdeutlichen, dass MIH ein relevantes Krankheitsbild darstellt, das frühzeitig erkannt und individuell therapiert werden muss.
Prof. Dr. Katrin Bekes, Medizinische Universität Wien
Literatur
- Weerheijm KL, Jalevik B, Alaluusua S: Molar-incisor hypomineralisation. Caries Res 2001; 35: 390-391.
- Bussaneli DG, Vieira AR, Santos-Pinto L, Restrepo M: Molar-incisor hypomineralisation: an updated view for aetiology 20 years later. Eur Arch Paediatr Dent 2021 Aug 15. doi: 10.1007/s40368-021-00659-6. Online ahead of print.
- Bekes K, Meyer-Lückel H, Jordan R, Kuhr K, Schiffner U: Molar incisor hypomineralization: results of the 6th German Oral Health Study (DMS 6). Quint Int 2025; 70-74
- Jordan AR, Micheelis W. Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). Köln: Deutscher Zahnärzte Verlag, DÄV, 2016.
- Petrou MA, Giraki M, Bissar AR, Basner R, Wempe C, Altarabulsi MB, et al. Prevalence of Molar-Incisor-Hypomineralisation among school children in four German cities. Int J Paediatr Dent. 2014;24(6):434-40.
- Kühnisch J, Heitmuller D, Thiering E, Brockow I, Hoffmann U, Neumann C, et al. Proportion and extent of manifestation of molar-incisor-hypomineralizations according to different phenotypes. J Public Health Dent. 2014;74(1):42-9.
- Kühnisch J, Fresen KF: Prevalence of Enamel Hypomineralisation/Molar Incisor Hypomineralisation: A Scoping Review. Monogr Oral Sci 2024:32:100-116.







