White Spots lassen sich mittels Infiltration von niedrigviskösem, lichthärtendem Kunststoff (Icon®) substanzschonend behandeln. Aktuelle Fallberichte deuten darauf hin, dass eine verlängerte Ätz- und/oder Infiltrationszeiten zu einer Optimierung des ästhetischen Ergebnisses beitragen können.
Als White Spots werden häufig verschiedene Schmelzopazitäten mit einem breiten ätiologischen Spektrum zusammengefasst: von initialkariösen Läsionen über entwicklungsbedingte Schmelzveränderungen wie Fluorose und Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) bis hin zu traumatisch bedingten Hypomineralisationen (1). Klinisch präsentieren sie sich als weißlich-opake Areale, die die Betroffenen insbesondere im Frontzahnbereich oft als störend wahrnehmen. Entsprechend groß ist der Wunsch nach einer ästhetisch ansprechenden, zugleich aber substanzschonenden Therapie.
Warum fallen White Spots so auf?
Das White Spots so charakteristisch erscheinen, ist weniger eine Frage der Farbe als vielmehr ein optisches Phänomen. Durch den Mineralverlust und die daraus resultierende erhöhte Porosität des Zahnschmelzes verändert sich die Lichtstreuung – die betroffenen Areale erscheinen daher weiß und opak (1,2). Je homogener und lichtreflektierender der umgebende gesunde Schmelz ist, desto deutlicher ist der Kontrast. Die Wahrnehmung eines White Spots ist somit eng an die optischen Eigenschaften der gesamten Zahnoberfläche gekoppelt – ein Aspekt, der für die Therapieplanung entscheidend ist.
Die Infiltration als Therapie
Die Infiltration poröser Schmelzläsionen mit Icon® (DMG, Hamburg) hat sich sowohl zur ästhetischen Angleichung als auch zur Kariesarretierung bewährt (1,3). Hierbei werden die Poren der Läsion mit einem niedrigviskösen, lichthärtenden Kunststoff infiltriert, sodass sich der Lichtbrechungsindex der Läsion (RI ≈ 1,3-1,4) verändert und an den des gesunden Zahnschmelzes (RI ≈ 1,62) anpasst. Durch die Annäherung der Lichtbrechungsindizes (Icon®: RI ≈ 1,52) gleicht sich die Läsion optisch an den umgebenden Schmelz an (2,3,4) (Abb. 1).

Abb. 1: 1. Zähne 11, 21 mit Molaren-Inzisiven Hypomineralisation; 2. Nach dem Ätzen (3 x 2 min) mit Salzsäure, die „White Spots“ sind deutlicher erkennbar; 3. Infiltration mit Icon® (DMG, Hamburg) unter leichtem Einmassieren des Infiltranten über 15 min (long infiltration); 4. Nahezu komplette Maskierung
Was zusätzlich helfen kann
Vor oder während der Infiltration kann ein Bleaching sinnvoll sein. Durch die Aufhellung des gesunden Zahnschmelzes verringert sich der Kontrast zum White Spot, sodass dieser weniger dominant erscheint (5). Auch die Mikroabrasion oberflächlichen Schmelzes kann hilfreich sein – allerdings wird hierbei gesunder Zahnschmelz irreversibel entfernt (6).
Verlängerte Ätz- und Applikationszeiten verbessern ästhetische Ergebnisse
Während initialkariöse Läsionen beispielsweise nach kieferorthopädischen Behandlungen erfolgreich infiltriert werden können, muss bei inaktiven (remineralisierten) Initialläsionen häufig mehrfach geätzt werden, da die hypermineralisierte Oberflächenschicht das Eindringen des Infiltranten in den porösen Läsionskörper erschwert. Bisher galt eine kurze Applikationszeit des Infiltranten von unter fünf Minuten. Neue Studien veranlassen nun zum Umdenken. Sie untersuchten den Effekt sowohl der verlängerten Ätzzeit als auch einer verlängerten Applikationszeit von bis zu 30 Minuten. Erste Ergebnisse: Auch besonders ausgeprägte Schmelzdefekte lassen sich so ansprechend maskieren (7,8).
Long Infiltration: Material dringt tiefer ein
Das Konzept hinter dieser „Long Infiltration“: Das Material hat mehr Zeit, tiefer in die Läsion einzudringen und einen größeren Anteil der mit Luft gefüllten Poren zu füllen, was die klinischen Ergebnisse verbessert (Abb. 2). Dabei sollte der Infiltrant „einmassiert“ werden, damit die aufsteigenden Luftblasen entweichen können (9). Darüber hinaus können Techniken wie die Transillumination und/oder das sogenannte Re-wetting nach dem Ätzen dabei helfen, die Struktur und Ausdehnung der Läsion besser zu beurteilen und den Infiltrationsprozess gezielter zu steuern (8).

Abb. 2: 1. Zähne 11, 21 mit Molaren-Inzisiven Hypomineralisation; 2. Während der Infiltration mit Icon® nach 3 min; 3. Infiltration mit Icon® nach 20 min („Long Infiltration“); 4. Sehr gute MaskierungAbb. 2: 1. Zähne 11, 21 mit Molaren-Inzisiven Hypomineralisation; 2. Während der Infiltration mit Icon® nach 3 min; 3. Infiltration mit Icon® nach 20 min („Long Infiltration“); 4. Sehr gute Maskierung
Gleichzeitig wird in der aktuellen Literatur betont, dass aufgrund der großen Variabilität von White Spots keine einheitliche Applikationszeit für alle klinischen Situationen geeignet ist. Vielmehr scheint ein individuell angepasstes Vorgehen sinnvoll zu sein, was gleichwohl nach einer gewissen Lernkurve zuverlässig angewendet werden kann.
Med. dent. Elena Kyriakou, Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel und Dr. med. dent. Sophia Weiberlenn, Universität Bern
Literatur
- Meyer-Lueckel H, Paris S, Schult A. Kariesinfiltration Update 2017. Zahnmedizin up2date, 2017;11:267-290
- Kidd EAM, Fejerskov O. What Constitutes Dental Caries? Histopathology of Carious Enamel and Dentin Related to the Action of Cariogenic Biofilms. J Dent R. 2004;83(1_suppl):35-38. doi:1177/154405910408301s07
- Paris S, Meyer-Lueckel, H. Masking of labial enamel white spot lesions by resin infiltration – a clinical report. Quintessence Int. 2009;40(9).
- Meyer-Lueckel H, Paris S. Improved Resin Infiltration of Natural Caries Lesions. J Dent R. 2008;87(12):1112-1116. doi:1177/154405910808701201
- Knösel M, Attin R, Becker K, Attin T. External bleaching effect on the color and luminosity of inactive white-spot lesions after fixed orthodontic appliances. Angle Orthod. 2007 Jul;77(4):646-52. doi: 10.2319/060106-224. PMID: 17605483.
- Ardu S, Benbachir N, Stavridakis M, Dietschi D, Krejci I, Feilzer A.: A combined chemo mechanical approach for aesthetic management of superficial enamel defects. Br Dent J. 2009 Feb 28;206(4):205-208.
- Athayde GDS, Reis PPGD, Jorge RC, Americano GCA, Da Silva Fidalgo TK, Soviero VM. Impact of masking hypomineralization opacities in anterior teeth on the esthetic perception of children and parents: A randomized controlled clinical trial. J Dent(). 2022;123:104168. doi.org/10.1016/j.jdent.2022.104168
- Torres, CRG, Pereira, TP, Effenberger S, Borges AB. (2025), Optimizing Resin Infiltration Procedure in Molar Incisor Hypomineralization Lesions. J Esthet Restor Dent, 37: 827-833. https://doi.org/10.1111/jerd.13358
- Werren TW, Wierichs RJ, Meyer-Lueckel H. Frontzahn-Infiltration bei Karies und Fluorose. Oralprophylaxe & Kinderzahnmedizin, im Druck (2026).







