Viele ältere Erwachsene und Menschen mit neurologischen Erkrankungen leiden unter einer oropharyngealen Dysphagie und bekommen orale Verdickungsmittel. Diese können die Entstehung von Karies begünstigen, ergab eine Pilotstudie. Zwar schnitten die getesteten Produkte besser ab als eine Glukoselösung – bei häufigem Einsatz könnten sie die Mundgesundheit dennoch belasten. Umso wichtiger sind Produktauswahl und konsequente Präventionsmaßnahmen.
Dysphagie erhöht Risiko für Aspiration und Mangelernährung
Die oropharyngeale Dysphagie erhöht das Risiko für Aspirationspneumonien, Mangelernährung, Dehydrierung und Ersticken. Bei älteren Menschen können unter anderem verminderter Geschmacks- und Geruchssinn, Xerostomie oder oropharyngeale Sensibilität die Erkrankung auslösen.
Zur Verringerung des Aspirationsrisikos und von Komplikationen werden häufig orale Verdickungsmittel eingesetzt. Die meist kohlenhydratbasierten Präparate sind kalorienarm, verändern die Konsistenz von Flüssigkeiten und Speisen und sollen dadurch ein sichereres Schlucken ermöglichen. Sie sind als Pulver zur manuellen Zubereitung oder als gebrauchsfertige Produkte erhältlich und werden in der Regel im Zuge der Flüssigkeitszufuhr verabreicht.
Aus zahnmedizinischer Sicht ist ihr Einfluss auf die Mundgesundheit jedoch nicht eindeutig. Hochvisköse Lebensmittel verbleiben länger in der Mundhöhle und können dadurch die Zuckerexposition und das Kariesrisiko erhöhen – insbesondere bei eingeschränkter Speichelfunktion und unzureichender Mundhygiene. Gleichzeitig kann eine höhere Viskosität die Diffusion und Freisetzung von Zuckern verlangsamen und damit säurebildende Prozesse reduzieren. So ist beispielsweise Honig weniger kariogen als eine Saccharoselösung mit demselben Zuckergehalt.
Somit können sich Verdickungsmittel je nach Zusammensetzung und Anwendung sowohl schädlich als auch schützend auf das Zahngewebe auswirken. Besonders der häufige Kontakt mit kohlenhydrathaltigen, hochviskosen Präparaten kann die Plaqueökologie verändern und somit das Kariesrisiko erhöhen.
Vier Verdickungsmittel im Vergleich untersucht
Bislang gibt es nur wenige Daten zum kariogenen Potenzial oraler Verdickungsmittel. In einer Pilotstudie untersuchten Forschende der Universität Zürich (Schweiz) vier handelsübliche Produkte – Ensure Multi-thick, Thick & Easy, Thicken Up Clear und Thicken Up Gel Express – mittels intraoraler Plaque-pH-Telemetrie bei drei älteren Erwachsenen. Die absolute Kariogenität wurde anhand des acidogenen Potenzials (Fläche unter der pH-Kurve unterhalb von 5,7) bewertet, die relative Kariogenität ergab sich aus dem Vergleich mit einer 10-prozentigen Glukose-Kontrolllösung.
Alle Produkte zeigten eine messbare absolute Kariogenität. Die relative Kariogenität lag jedoch jeweils unter der Glukoselösung. Die höchsten Werte erreichte Thicken Up Gel Express (0,81 ± 0,15), gefolgt von Thicken Up Clear (0,68 ± 0,08), Ensure Multi-thick (0,42 ± 0,42) und Thick & Easy (0,43 ± 0,36). Statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Produkten konnten die Forschenden nicht ermitteln, was vermutlich auf die geringe Stichprobengröße zurückzuführen ist.
Nach Einschätzung der Autoren könnten orale Verdickungsmittel bei älteren Erwachsenen mit bestehenden Kariesrisikofaktoren klinisch relevant sein. Die Ergebnisse sprechen dafür, bei der Behandlung von Dysphagie sowohl die Auswahl des Produkts als auch präventive Mundpflegestrategien stärker zu berücksichtigen. Zur Bestätigung und Erweiterung dieser Ergebnisse sind weitere klinische Studien mit größeren Stichproben erforderlich.
Quelle: Zollinger M, Srinivasan M, Wegehaupt FJ, Gubler A, Attin T, Stillhart A. Cariogenic potential of oral thickening agents in dysphagic patients. Swiss Dent J 136(1):32-44 (2026)







