Die restaurative Versorgung von Zähnen mit tiefen subgingivalen Defekten ist eine komplexe Aufgabe in der klinischen Praxis. Einen vielversprechenden Ansatz bietet die Stufenelevation. Doch eventuell mit Nachwirkungen: Einer Göttinger Studie zufolge besteht möglicherweise ein erhöhtes Risiko gingivaler Entzündung. Parodontale Probleme wiederum wurden nicht als Folge der Behandlung beobachtet.
Tief zerstörte Zähne sind schwer zugänglich und stellen die Behandelnden bei der Feuchtigkeits- und Kontaminationskontrolle vor Herausforderungen. Klassische Behandlungstechniken sehen eine chirurgische Intervention vor: Durch Gingivektomie und/oder Ostektomie wird der subgingivale Präparationsrand nach para- oder supragingival verlagert. Diese Verfahren erhöhen jedoch den operativen Aufwand, die Behandlungszeiten sowie die Kosten und führen potenziell zu ästhetischen Beeinträchtigungen.
Als minimalinvasivere Alternative kommt die Stufenelevation – auch Proximal Box Elevation oder Kastenelevation genannt – in Betracht. Dabei wird der subgingivale Kavitätenrand mithilfe einer individuellen Matrizentechnik durch eine Kompositfüllung auf ein klinisch zugängliches und kontrollierbares Niveau gehoben. Das ermöglicht die Weiterversorgung mit einer Krone oder Teilkrone. Trotz der wachsenden klinischen Anwendung fehlen bislang systematische Langzeitstudien, die die parodontalen Auswirkungen dieser Methode über mehrere Jahre hinweg analysieren. Insbesondere bleibt unklar, ob die Stufenelevation das parodontale Gewebe beeinträchtigt.
Forschende der Universitätsmedizin Göttingen haben nun in einer klinisch prospektiven Studie die parodontale Gesundheit von Zähnen mit Komposit-Stufenelevation und einer keramischen Teilrestauration nachuntersucht (1, 2). Insgesamt wurden 68 Patient*innen mit 77 Restaurationen in die Studie eingeschlossen, davon konnten 62 Restaurationen nach einem Jahr (1) und 57 nach zwei Jahren (2) nachuntersucht werden. Kavitätenränder mit Stufenelevation zeigten nach zwei Jahren im Vergleich zur Ausgangsuntersuchung eine erhöhte Blutung auf Sondieren – allerdings nahm die Sondierungstiefe nicht signifikant zu. Im Vergleich zu den 1-Jahres-Daten blieb die parodontale Situation stabil. Zwei Restaurationen mussten im Untersuchungszeitraum ersetzt werden, und ein Zahn entwickelte eine Parodontitis apicalis.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Stufenelevation ein vielversprechender Ansatz zur Restauration von Zähnen mit tiefen subgingivalen Defekten ist. Allerdings entstehen möglicherweise häufiger gingivale Entzündungen. Zu parodontalen Problemen führt die Stufenelevation offenbar nicht.
Prof. Dr. Annette Wiegand, Universitätsmedizin Göttingen
Literatur
- Hausdörfer T, Lechte C, Kanzow P, Rödig T, Wiegand A (2024): Periodontal health in teeth treated with deep-margin-elevation and CAD/CAM partial lithium disilicate restorations – a prospective controlled trial. Clin Oral Invest 28: 670
- Hausdörfer T, Kanzow P, Rödig T, Wiegand A, Lechte C (2025): Two-year evaluation of periodontal parameters following deep-margin elevation and CAD/CAM partial lithium disilicate restorations – a prospective controlled clinical trial. J Dent 160: 105901







